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Schimmelpilze im Innern und Algenbildungen auf den Hausfassaden
– Ursache von Bauschäden. Ein Projekt der ETH-Annexanstalt EMPA soll Mittel und Wege finden, wie das im Rahmen
der geltenden Energiepolitik zu verhindern ist. Der Autor Paul Bossert, Architekt und Bauingenieur in Dietikon,
kritisiert den seiner Ansicht nach falschen Ansatz der gängigen Wärmedämmungsphilosophie.
Im neuerstellten Gebäude der EMPA-Akademie in Dübendorf
fanden zwei Bau-Fachtagungen über die Gebäudehülle statt. Das Tagungsthema rankte sich im Wesentlichen
um bekannte Bauschäden, verursacht durch Schimmelpilze im Gebäudeinnern und um Algenbildungen auf Fassaden.
Über die eigentlichen Schadenursachen erfuhr der Tagungsteilnehmer nichts, weil die EMPA gleichzeitig und
weitgehend die Mitverursacherin dieser Schäden selbst ist. Die EMPA propagiert nämlich seit Jahren einseitig
die Favorisierung von Wärmedämmstoffen auf Fassaden zur Energieeinsparung beheizter Bauten, und löst
damit eben diese Bauschäden aus, obwohl die Energieeffizienz derartiger Konstruktionen im Vergleich nicht
nachgewiesen ist. Tatsache ist, dass die EMPA, als Forschungsabteilung der ETH, die baufachlich notwendigen Untersuchungen
in diesem Bereich seit Jahren vernachlässigt hat.
Vorgreifend sei erwähnt, dass am Schluss der Tagung bekanntgegeben
wurde, dass im Rahmen eines Projektes des Bundes vier Abteilungen der EMPA (Bauphysik, Biologie, Bauschäden
und Korrosion) für 820'000 Franken herausfinden wollen, wie man die Algenflut auf schweizerischen Fassaden
bekämpfen und vermeiden kann. Die EMPA will somit Steuergelder für die Problemlösung der Zulieferindustrie
im Bereich Kunststoffe verwenden. Das darf nicht sein.
Folgewirkung untauglicher Werkstoffe
Um was geht es im Speziellen? Bildungen von Schimmelpilzen und
Algen an Aussenwänden sind die direkte Folge des Einsatzes untauglicher Werkstoffe, die angeblichen zur Senkung
des Energieverbrauchs auf Fassaden aufgebracht werden. Mehrheitlich werden für Aussendämmungen Polystyrol
und Mineralfasern verwendet. Bereits in den sechziger Jahren war unter Baufachleuten bekannt, dass Polystyrol wohl
ein gutes Verpackungsmaterial ist und sich auch für bestimmte Anwendungen auf der Baustelle eignet, doch auf
Fassaden ist das Material aus baufachlicher Sicht ungeeignet. Vor allem sind im Falle der Anwendung von Polystyrol
folgende Punkte zu reklamieren:
Die Haltbarkeit des aufgebrachten Kunststoffverputzes ist gering,
weil organische Bindemittel nicht wetterbeständig sind. Zur Vermeidung von Spannungsrissen werden in der Regel
nur helle bzw. weisse Verputze verwendet, die das Sonnenlicht weitgehend reflektieren, was eine schlechte Nutzung
der passiven Sonnenenergie zur Folge hat. Polystyrol stellt als Fassaden-Dämmstoff, wie bereits verschiedene
Brandfälle bezeugen, ein inakzeptables Brandrisiko dar, und Resonanzbildungen führen zu störenden
Baumängeln im Schallbereich.
Weil Polystyrol wasserdicht ist und deshalb in Aussenwänden
kein Wassertransport stattfinden kann, steigt die Raumluftfeuchtigkeit in Wohnungen im Winter auf über 60
Prozent relativer Feuchte an, was die Bildung von Milben begünstigt. Bei Wärmebrücken - vor allem
im Fensterbereich - sind oft Schimmelpilzbildungen zu beobachten. Sporen von Schimmelpilzen sind Mitverursacher
von Asthmaerkrankungen.
Milben hingegen belasten das menschliche Immunsystem indem sie
Allergien fördern. Ausserdem belegen Energie-Verbrauchs-Analysen, dass Bauten mit Aussendämmungen aus
Polystyrol und Mineralfasern im allgemeinen das Zwei- und Mehrfache an Heizenergie benötigen, als Altbauten
der Baujahrgänge 1850 bis 1950, welche keine Wärmedämmungen im heutigen Sinne aufweisen
Herkömmliche Systeme vernachlässigt.
Tatsache ist, dass die EMPA bis heute keine Untersuchungen über
die Energie-Effizienz moderner Wandkonstruktionen im Vergleich zu herkömmlichen Systemen durchführen
liess, obwohl sie seit vielen Jahren darauf hingewiesen wird, dass gravierende Energieverbrauchs-Differenzen bestehen.
Weil heute der Einsatz von Bioziden und anderen Giften in Fassadenverputzen
verboten ist, stellen sich nun aber landesweit Algenverschmutzungen auf Fassaden ein, die jedoch nur einen rein
ästhetischen Mangel darstellen. Obwohl die Mängel hinsichtlich Haltbarkeit, Gesundheitsgefährdung
und Energieeffizienz seit Jahrzehnten bekannt sind, thematisiert die EMPA erst heute diese Problematik, wo es nur
um rein ästhetische Bauschäden geht.
Doch nun wird die EMPA von ihrer Vergangenheit eingeholt. Im Jahre
1978 beschlossen Angestellte der EMPA, dass zur Energieeinsparung nur die alleinige Verbesserung der Wärmedämmung
ausreichend sei und deshalb Polystyrol und auch andere, rein auf Wärmedämmung ausgerichtete Dämmstoffe,
genügen würden. Bessere, damals noch erhältliche Werkstoffe, die den restlichen baufachlichen Anforderungen
korrekt genügten, hatten dadurch keine Absatzchancen mehr. Die Fabrikationen wurden eingestellt.
Diese Sicht der Dinge, dass nur die Wärmedämmung allein
selig machend zur Energieeinsparung sei, gilt heute als doktrinär herrschende Lehrmeinung. Die erforderlichen
wissenschaftlichen Experimente, die beweisen würden, dass die Massnahmen richtig seien, wurden bis dato nicht
durchgeführt. Generell glauben Politiker und auch das Bundesamt für Energie (BFE) in Bern sowie die Vertreter
der kantonalen Energiefachstellen an die alleinige Wirksamkeit dieser Wärmedämm-Doktrin.
Weil alles irgendwie immer mit allem zusammenhängt, führte
diese Doktrin in der Schweiz zu generell falschen Energiegesetzen und logischerweise zu einem permanenten Ansteigen
des Energieverbrauchs, der Asthmaerkrankungen und Allergien. Auch der programmierte Misserfolg der Bundesaktion
"ENERGIE 2000" wird dadurch erklärbar. Der in Bälde eidgenössisch empfohlene "MINERGIE-Standard"
jedenfalls wird den künftigen Energieverbrauch von beheizten Hochbauten in ungeahnte Höhen steigern.
Doch es scheint, dass die Verantwortlichen an den Hochschulen und im BFE ihren Weg unbeirrt weitergehen werden.
Sollte der Bund und die EMPA dieses Algenprojekt durchziehen,
kann dies als Legalisierung falscher Theorien und Energiegesetze sowie untauglicher Bausysteme zu Lasten des Volkes
ausgelegt werden. Die nichtvorhandene Energieeffizienz der ungeprüften Systeme wäre als ein Vergehen
gegen die Eidgenössische Energiegesetzgebung zu verstehen.
Um das Algenproblem auf Fassaden zu lösen, braucht man nur
die anerkannten Regeln der Baukunst zu beachten und nicht vier EMPA-Abteilungen die 820'000 Franken Steuergelder
in den Sand setzen. Wie man Algenbildung auf Fassaden vermeidet, hat ein Baufachmann zu wissen, zumahl die Methode
seit 2000 Jahren bekannt ist. Wie dies auf Dämmstoffen zu geschehen habe, weiss man EMPA-intern seit über
50 Jahren.
Fazit: Für 340.- Franken Tagungsgeld (inkl. Fachbuch und
Mittagessen) erfuhren die Teilnehmer an der EMPA-Akademie, welche Bauschäden die Einhaltung der ETH- EMPA-
und somit auch SIA-Empfehlungen und SIA-Normen zur Folge haben. Die Erwartungen der Tagungsteilnehmer bezüglich
Problemlösungen hinsichtlich Schimmelpilzbildung und Algenbefall wurden weitestgehend nicht erfüllt.
PAUL BOSSERT, CH – 8953 DIETIKON, ARCHITEKT UND BAUINGENIEUR
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