Gesundheitsfalle Energieeinspar-Verordnung 2000
 
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von Dipl.-Ing./Arch. Paul Bossert, 30.08.1998
Präsident des Verwaltungsrat
UNIVERSE Architecture and Engineering Ltd.
Dietikon, Schweiz


Inhalt:

Vorwort
Energieeinsparungen sind bis heute nicht ausgewiesen
Ein Ende der Geldverschleuderung ist nicht in Sicht
Energiebedarfsberechnung ist immer noch graue Theorie
Wohnungsentfeuchtung ist problemarisch
Das Risiko von Dämmstoffen die kein Wasser saugen können
Fördert feuchtes Wohnen Kiemen und Schwimmhäute bei Menschen?
Ist das Feuchtigkeits-Risiko bereits ein alter Hut?
Polystyrol Aussendämmung: Die eierlegende Wollmilchsau!
Professorale Lobhudelei
Volksgesundheit in Gefahr!
Wie ist das erklärbar?
Klare Sache: Falsch gedämmt ist halb gestorben!
Die Mediziner schlagen Alarm!
Hält das BMBau an seiner Doktrin fest?
Was falsch ist wird immer falsch bleiben
Was nun und wie weiter?
Diskussionsforum Energie

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Gesundheitsfalle Energieeinspar-Verordnung 2000

Egal wer am 27. September 1998 die Bundestagswahl gewinnt, die Energieeinsparverordnung (ESV 2000) wird durchgezogen. Gewinnt “Rotgrün”, ist eher noch mit einer Verschärfung der Auflagen zu rechnen, weil ja Neu der rein rechnerische Energiebedarf von Alt- und Neubauten um weitere 30 Prozent gesenkt werden soll. So wie die Verordnung bis heute gediehen ist, dürfte sie Anfangs 1999 den Bundesrat oppositionslos passieren, um im Jahr 2000 in Kraft gesetzt zu werden.

Die Absicht mit der ESV 2000, Energie zu sparen, den CO2-Ausstoss zu vermindern, nichterneuerbare Energien zu schonen und erneuerbare Energien zu fördern ist zwar unbestritten, doch bestehen bei der Umsetzung der Verordnung schwerwiegende Bedenken dreifacher Art.

Energieeinsparungen sind bis heute nicht ausgewiesen.

Zum Ersten ist es dem Bundesministerium Bau (BMBau) in Bonn bis heute nicht gelungen, eine wissenschaftliche korrekte Beweisführung vorzulegen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Massnahmen hinsichtlich ihrer Energieeinsparung effizient sind. Tatsächlich ist es der Fall, das vor 1940 erstellte, im gegenwärtigen Sinne ungedämmte Altbauten, vergleichsweise sehr viel weniger Energie verbrauchen als hochgedämmte Neubauten. Die Ursachen dieses Leerlaufs liegen beim BMBau, weil die bisherigen Verordnungen auf rein theoretischen Unterlagen und Vorschriften beruhen. Noch nie wurden vom BMBau mittels Energie-Verbrauchs-Analysen überprüft, ob der theoretisch berechenbare Energiebedarf, allgemein und einigermassen mit dem effektiven Energieverbrauch eines Gebäudes übereinstimmt. Die Verantwortlichen im BMBau müssen sich deshalb vorhalten lassen, dass ihre Bestrebungen Energie zu sparen und den CO2-Ausstoss zu vermindern bis heute erfolglos geblieben sind.

Ein Ende der Geldverschleuderung ist nicht in Sicht

Zum Zweiten haben die vorgeschriebenen Massnahmen viel Geld gekostet. Einfache Hochrechnungen ergeben, dass die falschen Energiegesetze bis heute kumulierte Bauschäden und Energieschäden im Betrag von rund 950 Milliarden Mark ausgelöst haben. Seither steigt der Fehlbetrag jährlich um weitere 50 Milliarden, was etwa 8 bis 10 Prozent der Jahresbaukosten für sanierte und neu erstellte Hochbauten entspricht, die somit in den Sand gesetzt werden. Trifft die ESV 2000 in Kraft, ist ein Ende der Geldverschleuderung nicht mehr absehbar.

Energiebedarfsberechnung ist immer noch graue Theorie

Im Entwurf des BMBau vom 6. Januar 1998 zur ESV 2000 ist ersichtlich, dass die neuen Vorschriften immer noch k-Wert- bzw. neuerdings U-Wert orientiert sind. Die Energiewirksamkeit dieser k-Wert-Theorie ist aber bis heute nicht bewiesen. Dieser k-Wert beschreibt nämlich nur den Beharrungszustand von Wärme in Bauteilen. In Wirklichkeit herrschen aber dynamische Zustände vor, wobei der k-Wert nur eine von acht relevanten Energiegrössen darstellt.

Wohnungsentfeuchtung ist problematisch

Zum Dritten ist die Volksgesundheit in Gefahr! Einen der oben erwähnten acht Energiegrössen bildet beispielsweise die Sorption, welche die Eigenschaft besitzt, Wasser in Kapillaren von Baustoffen zu transportieren. Die Raumwärme und der sich dadurch einstellende Wasserdampf-Teildruck (Partialdruck), dient als Motor für diesen Prozess. Der Partialdruck treibt die Feuchtigkeit durch die Wand nach aussen. Beheizte Wohn- und Arbeitsräume von Altbauten werden heute noch auf diese Weise entfeuchtet.

Diese Tatsachen stimmen mit den Untersuchungen von Professor Paul Haller recht gut überein, die er als Chef der Eidgenössischen Materialprüfungs Anstalt (EMPA) in den Jahren 1953 bis 1958 durchführen liess.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen wurde unter dem Titel: “Wärmehaushalt und Mauerwerk” in der Deutschen Bauzeitung 9/82 vom Verfasser publiziert.

Das Risiko von Dämmstoffen die kein Wasser saugen können

Nur die Wärmedämmstoffe dampfgepresster Kork und Hartschaum-Leichtbeton weisen - nebst einer relativ hohen Wärmespeicherfähigkeit und einer Wärmeleitzahl von rund 0,04 Watt pro Meter und Grad Temperaturdifferenz - eine ausreichende Sorptionsfähigkeit auf. Der marktbeherrschende Wärmedämmstoff Polystyrol ist sorptionsunfähig. Glas- und Mineralfaserdämmstoffe haben nur eine geringe Sorptionsfähigkeit.

Fördert feuchtes Wohnen Kiemen und Schwimmhäute bei Menschen?

Sorptionsunfähige Aussenwände und dichte Fenster bewirken aber ein Ansteigen der Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen! Tatsächlich ist seit Beginn der Wärmeschutz-Verordnungen die Feuchtigkeit der Raumluft im allgemeinen von 40 auf 65 Prozent relativer Feuchte angestiegen. Das weiss man im BMBau sehr wohl, weshalb man von Gesetzes wegen mechanische Luftwechselanlagen vorschreiben möchte. Raumlufttechnische Anlagen bilden aber Herde für Bakterien, Legionellen und Schimmelpilze, die Allergien fördern und die Atemwege der Menschen belasten. Ausserdem bestehen ernstzunehmende Zweifel, ob mechanische Lüftungen Wohnungen richtig entfeuchten können.

Ist das Feuchtigkeits-Risiko bereits ein alter Hut?

Dass sorptionsunfähige Wärmedämmungen die Raumfeuchtigkeit erhöht, ist seit der Publikation: “Drei Häuser im Dauertest” in “test” 3/87 den deutschen Energiefachleuten und Bauphysikern allgemein bekannt. Dipl. Ing. Helmut Pokern ist als “Vater der Heizkostenabrechnung” in die Energie-Geschichte Deutschlands eingegangen. Er veröffentlichte 1987 die Resultate einer bauüblichen Polystyrol-Wärmedämmsanierung. Da Wärmedämmungen nie wirkungslos sind, sank der mittlere Energieverbrauch um rund 20 Prozent auf 4,2 Liter Heizöl pro beheiztem Gebäudekubikmeter und Jahr. Der bescheidenen Einsparung von 1 Liter Heizöl pro Kubikmeter zu DM 0.35 stehen Sanierungskosten von DM 47.- pro Kubikmeter gegenüber. Bedenkt man, dass Gebäude der Jahrhundertwende - notabene ohne die heutigen Dämmstoffe - heute im Mittel nur 2.0 bis 3.0 Liter Heizöl pro Kubikmeter und Jahr benötigen, ist die ESV 2000 unwirtschaftlich und somit fragwürdig. Noch wichtiger ist, dass eine Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit von 30 auf 50 Prozent gemessen wurde. Erhöhte Luftfeuchtigkeit führt aber zur Vermehrung von Schimmelpilz, Bakterien und Milben etc. Momentan ist die Zunahme von Asthma bei Kindern als Folge erhöhter Raumluftfeuchtigkeit noch nicht beweisbar, doch gewisse Indizien sprechen dafür.

Polystyrol Aussendämmung: Die eierlegende Wollmilchsau!

Eine weitere Recherche ergab, dass auch in den “Passivhäusern” des Physikers Wolfgang Feist Luftfeuchtigkeiten von über 60% relativer Feuchte herrschen. Das geht jedenfalls aus seinen eigenen Publikationen des “Passiv-Haus-Instituts” in Darmstadt hervor. Seine supergedämmten Passivhäuser lassen sich, trotz seinem Wahlspruch: “Erst Dämmen und dann Mauern”, mit 30 cm Polystyrol-Perimeterdämmung, auch mit besten Ventilationsanlagen kaum entfeuchten.

Professorale Lobhudelei

Ungeprüft stellt Ernst Ulrich von Weizsäcker die “Passivhäuser” von Wolfgang Feist in seinem neuen Bericht “Faktor Vier” an den “Club of Rome" als vorbildlich dar. Gerade von Biologen währe zu erwarten, dass sie die komplexen Zusammenhänge im Bereich Bauen und Energie mit grosser Sorgfalt auf ihre Nachhaltigkeit hin untersuchen. Wenn wegen falschem Bauen das Volk erkrankt, ist niemandem gedient.

Volksgesundheit in Gefahr!

Aus der Studie: “Ost-West-Vergleich München-Leipzig” von Professor H. E. Wichmann, vom GSF-Institut für Epidemiologie in München, kann entnommen werden, dass die Zunahme von Asthmafällen in den Städten nicht nur an der Umweltverschmutzung liegen kann. Trotz erheblicher Umweltbelastungen waren die DDR-Kinder viel weniger von Asthma betroffen als ihre Altersgenossen aus dem Westen. Dafür litten sie häufiger an Bronchitis.

Wie ist das erklärbar?

In den neuen Bundesländern leben noch sehr viele Kinder in sorptionsfähigen, trockenen Altbauten, die allerdings vorwiegend mit Kohle beheizt werden. Da bekannt ist, dass der hohe Schwefelanteil in der Kohle Bronchitis fördert, erscheint dieser Zusammenhang plausibel. Im Westen aber, leben die Kinder in mehrheitlich “modernen”, wärmegedämmten und somit sorptionsunfähigen Bauten mit hoher Luftfeuchtigkeit die Asthma fördert. Da die Wohnbauten mit Strom und vorwiegend schwefelarmem Heizöl und Gas beheizt werden, ist Bronchitis im Westen Deutschlands kein Thema.

Klare Sache: Falsch gedämmt ist halb gestorben!

Die Zusammenhänge leuchten ein. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist die erhöhte Raumluftfeuchtigkeit, infolge sorptionsunfähiger Wärmedämmungen, Mitursache für die ansteigenden Atemwegerkrankungen bei Kindern. Dieser Umstand wird noch überlagert durch die Forderung nach immer luftdichteren Wohnungen und Fenstern und damit einhergehender erhöhter Feuchtigkeitsschäden und Schimmelpilzbildungen an Fensterrahmen und anderen Wärmebrücken.

Die Mediziner schlagen Alarm!

Ähnliches publizierte der Direktor der Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Prof. Dr. med. H.B. Hadorn im “Follow up der Münchner Asthma- und Allergiestudie”:“Als exogener Faktor konnte gezeigt werden, dass Feuchtigkeitsschäden in der Wohnung das Risiko, eine bronchiale Hyperreaktivität bis in die Pubertät zu behalten, um das etwa 11-fache erhöhen.”

Hält das BMBau an seiner Doktrin fest?

Das BMBau ist sicher anderer Auffassung und wird mehr Wärmedämmung zur Schimmelpilzreduzierung fordern, zumal der langjährige Berater des BMBau, Professor Karl Gertis, am Bauphysik-Kongress im Herbst 1997 in Berlin sagte: “Es bedarf auf jeden Fall einer Anhebung des Mindestwärmeschutzes, um zuverlässig Schimmelpilzbildung zu verhindern.”

Was falsch ist wird immer falsch bleiben.

Schimmelpilze mit noch mehr Wärmedämmung zu bekämpfen ist falsch! Wahr ist aber, dass erst infolge sorptionsunfähiger Wärmedämmungen und falscher Wärmedämmvorschriften des BMBau die gegenwärtig herrschende Schimmelpilz-Seuche entstanden ist. Da die Energiewirksamkeit der ESV 2000 mit Sicherheit nie zum tragen kommen wird, ist der beabsichtigte, rein virtuelle Ersatz von nichterneuerbaren Energieen zur angeblichen Eindämmung des CO2-Ausstosses auf Kosten der Volksgesundheit unverantwortlich.

Was nun und wie weiter?
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